Der Plan war ehrgeizig und ist nun endgültig gescheitert: Eine VoD-Plattform nach dem US-amerikanischen Vorbild hulu.com sollte auch auf dem deutschen Markt lanciert werden. Bereits im Februar ließ das Bundeskartellamt durchblicken, dass es den gemeinschaftlichen Plänen von ProSiebenSat.1 und der RTL-Gruppe nicht wohl gesonnen ist, zum Wochenschluss war es dann soweit und die Kartellbehörde fällte ihren negativen Bescheid. Schade eigentlich, denn in den USA funktioniert das Joint-Venture hulu hervorragend. Auf dieser Online-Plattform finden Nutzer aus den USA – und den dazu gehörenden Überseegebieten – Filme, TV-Shows, Webisodes, Trailer, Filmclips und Making Off-Material von ABC, NBC, Fox und zahlreichen weiteren Studios und Networks. Die Website wurde dort bereits im März 2008 – ein Jahr nach Unternehmensgründung – gelauncht und ist seitdem bei den amerikanischen Fans voll akzeptiert. Auch die TV-Sender profitieren von hulu gleich mehrfach: Sie erreichen ihre Zuschauer auch im World Wide Web und können neue Formate neben etablierten Sendungen platzieren. Zudem bietet das Internet neben interessanten Vermarktungsmöglichkeiten für Werbeplätze natürlich auch eine viel direktere Dialog-Plattform für die Fernsehmacher. Feedback von Fans und Kritikern kann hier wesentlich schneller und offener an die Sender zurück gespielt werden.
Wie geht es weiter für RTL und ProSiebenSat.1?
Noch haben die RTL Gruppe und der ProSiebenSat.1-Konzern fast einen Monat Zeit, um gegen das Urteil des Bundeskartellamtes Revision einzulegen. Vielleicht könnte dann der Traum eines deutschen hulu doch noch Wirklichkeit werden – zur Freude von Fans und zur erfolgreichen Kooperation der vermeintlichen Wettbewerber gleichermaßen. Denn sonst wird es wohl weiter gehen wie bisher: Während die in Köln ansässige RTL Gruppe unter RTL NOW und auf ihren Programm-Websites ausgewählte Sendungen und Zusatzinfos anbietet, bieten hier die Münchner Kollegen etwas Ähnliches an. Viele Fernsehformate gibt es dort nach der TV-Ausstrahlung für eine bestimmte Zeit noch mal im Web zu sehen. Zudem bieten verschiedene Sendungen, zum Beispiel die Casting-Show „Germanys Next Top Model“ viele Interaktionsmöglichkeiten für Fans von Heidi Klums Show. Diese können zum Beispiel mehr über ihre langbeinigen Favoritinnen erfahren und ihre Meinung zu Inhalten der Sendung publizieren. Im Bereich Video on Demand betreibt die Gruppe außerdem mit Erfolg die kostenpflichtige Plattform maxdome und das Erotikportal nightclub. Jetzt heißt es also erst einmal abzuwarten, ob noch weitere Schritte für das geplante gemeinsame Video-Portal von Seiten der Sendergruppen unternommen werden oder weiterhin jeder für sich nach Möglichkeiten suchen muss, eine zukunftsfähige Verbindung zwischen Offline- und Online-Medien herzustellen.
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